Limo heute, Torte morgen? Bäckerhandwerk warnt vor Bürokratie-Wahn und Luxus-Gebäck

Noch geht es politisch primär um Softdrinks, doch das Bäckerhandwerk befürchtet, dass eine Zuckerabgabe nur der erste Schritt ist und bald auch Gebäck und Torten zur Kasse gebeten werden. Warum der Verband einen schleichenden Prozess zum "Luxus-Stollen" und eine neue Bürokratie-Welle fürchtet.

Was mit Limonaden beginnt, könnte bald auch Torten und Stollen treffen. Das Bäckerhandwerk warnt vor einer schleichenden Ausweitung der Zuckerabgabe und einem massiven Bürokratie-Schock für kleine Betriebe. - © Daniela Baumann - stock.adobe.com

Die Diskussion über eine Zuckersteuer kommt für das deutsche Bäckerhandwerk zu einer Unzeit. Während viele Betriebe angesichts steigender Energie- und Spritpreise dringend Entlastungen benötigen, drohen nun zusätzliche Abgaben. Laut Dr. Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, würde eine solche Steuer insbesondere kleine und mittelständische Betriebe unverhältnismäßig stark belasten.

Bürokratie statt Backstube: Die organisatorische Belastung

Im Gegensatz zu großen Industrieunternehmen verfügen Handwerksbetriebe über begrenzte personelle Ressourcen. Der mit Verbrauchssteuern verbundene bürokratische Aufwand gefährdet wirtschaftliche Existenzen und könnte langfristig regionale Versorgungsstrukturen schwächen. Geschäftsführer des Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks Christopher Kruse warnt davor, dass der deutsche Gesetzgeber oft den kompliziertesten Weg wählt.

Sollte die Zuckersteuer auf das Bäckerhandwerk ausgeweitet werden, droht ein massiver Verwaltungsaufwand. Jedes einzelne Tortenstück oder süße Teilchen müsste detailliert aufgelistet werden, sofern es in einer unübersichtlichen Anlage zum Gesetz genannt wird. Bäcker müssten zudem quartalsweise eine Zuckersteuererklärung abgeben und die gezahlte Zucker-Vorsteuer der Lieferanten mühsam verrechnen, wie Kruse als Beispiel anführt.

Die Sorge vor der Ausweitung: Werden Weihnachtsgebäck und Christstollen zum Luxus?

Aktuell zielt der Antrag des Landes Schleswig-Holstein im Bundesrat auf eine Abgabe für stark gesüßte Getränke wie Limonaden ab. Doch das Bäckerhandwerk befürchtet eine Signalwirkung. Christopher Kruse sieht darin den Versuch des Staates, den Bürger durch Preissteigerungen zu erziehen. Die Befürchtung ist groß, dass nach den Erfrischungsgetränken bald Säfte, gesüßte Speisen oder auch Joghurt folgen könnten. Schokoosterhasen, Weihnachtsplätzchen und Christstollen würden so zu Luxusprodukten. Das Bäckerhandwerk spricht sich daher entschieden gegen jede Form von "Rezepturdiktaten" aus.

Ursachen von Übergewicht: Mehr als nur ein Nährstoff

Aus Sicht der Verbände suggeriert eine Zuckersteuer einfache Lösungen für ein vielschichtiges Problem. Wissenschaftlich belegte Fakten zeigen jedoch, dass Übergewicht nicht allein auf einzelne Nährstoffe wie Zucker reduziert werden kann, wie es seitens des Bäckerhandwerks heißt. Es ist vielmehr das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus der gesamten Energieaufnahme, einem ausgeprägten Bewegungsmangel sowie weiteren individuellen Lebensstilfaktoren.

Aufklärung statt Verbote: Die Forderungen der Branche

Statt neuer Verbote und Steuern fordert die Branche Strategien, die Eigenverantwortung und Verhaltensänderungen durch gezielte Aufklärung und Transparenz fördern. "Ein zentraler Baustein sollte hierbei der Ausbau der Ernährungsbildung bereits in den Kitas und Schulen sein. Parallel dazu gilt es, die Bewegung durch mehr Sportunterricht sowie eine verstärkte Unterstützung des Breitensports in Vereinen aktiv zu fördern", schließt Kruse ab.

Politischer Hintergrund

Obwohl Mediziner- und Verbraucherverbände wie Foodwatch den Vorstoß unterstützen, bleibt das Vorhaben politisch umstritten. Während Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Initiative verteidigt, gab es bereits Widerstand auf dem CDU-Bundesparteitag. Auch Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) erteilte der Zuckersteuer eine Absage und setzt stattdessen – ähnlich wie die Wirtschaftsverbände – auf die Förderung von Sport und Bildung. avs